Wolfsklippen

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Die Wolfsklippen

 

Zwischen Ilsenburg  und Wernigerode ragen oberhalb der Plessenburg die Wolfsklippen über die blauen Harzberge auf. Dort oben hat sich vor langer Zeit eine seltsame Geschichte zugetragen, von der uns die Sage berichtet. Im Ilsetal lebte damals ein braves Kräuterweib als Witwe eines gräflichen Holzfuhrmannes, der im Walde tödlich verunglückt war und ihr keine irdischen Güter hinterlassen, wohl aber ein zehnjähriges Töchterchen, welches sie recht und schlecht aufzog in ihrer Armut. Als das Kind zur Jungfrau herangewachsen war, verfolgte es der Grafensohn auf Schritt und Tritt und verschwor sich im Kreise seiner Kumpane, mit List oder Gewalt ihr Tugend Herr zu werden. Nun mochte er es aber anstellen wie er wollte, immer kam ihm ein Fuhrknecht oder Holzfäller in die Quere, so daß er nicht zum Ziel gelangte. In seiner Wut sann er auf  andere Mittel und ließ das Mädchen als Hexe verschreien, da von den Kräutern, die es gesammelt, eine kranke Kuh im Dorfe eingegangen sei. Einer seiner Jäger aber warnte das Mädchen und als die Häscher kamen, um die Hexe abzuholen, war sie zum Ilsestein geflüchtet und über die Plessenburg zu den Klippen gekommen, wo sie sich erschöpft zur Rast niederließ. Wie erschrak sie aber, als sie plötzlich zu ihren Füßen eine Wölfin erblickte, die auf dem Felsen zusammengebrochen war und auf dem harten Lager vier junge Wölfe geworfen hatte. Die Wölfin ließ die trockene Zunge weit heraushängen und lechzte nach Wasser, sie war aber zu schwach, um sich zu erheben und zum Bach hinunter zu laufen. Da überwand das Mädchen seine Furcht, schöpfte in den hohlen Händen Wasser und ließ die Wölfin trinken. Dann trug es Moos und Gras herbei, schob es ihr unter, damit sie weich läge und sah zu, wie die Wölfin ihre Jungen säugte und sie dabei zärtlich beleckte. Zur Nacht suchte sich das Mädchen unter einem überhängenden Felsen eine Schlafstelle und blieb drei Tage bei dem Tier, das sich zusehends erholte und auf Wildkaninchen und Haselhühner Jagd machte, während es die Jungen unter der Obhut des Mädchen zurückließ.  Die Wölfin brachte auch dem Mädchen von der Beute, das mit seinem Stahl Feuer schlug und sich das Fleisch briet. Der Rauch des Feuers aber verriet dem Grafen und seinen Jägern, die seit Tagen nach dem Mädchen suchten, ihren Schlupfwinkel. Mit gesträubten Haar fauchte die Wölfin die fremden Männer an, die es nicht wagten, auf sie zu schießen, um nicht das neben ihr stehende Mädchen zu treffen. Der junge Graf aber sprang auf das Mädchen zu, um es sich nicht noch einmal entgegen zu lassen – da stürzte sich die Wölfin dem Angreifer entgegen und verletzte ihn so schwer, daß die Jäger Mühe hatten, ihn lebend hinterzubringen nach Ilsenburg. Die Gerettete aber wanderte weiter nach Wernigerode, wo sie Verwandte hatte, bei denen sie bleiben konnte. Ihren Unterhalt verdiente sie sich wie früher durch Kräutersammeln und Beerenlesen; dabei traf sie noch oft die Wölfin und ihre Jungen, die sich von ihr streicheln ließen und ihr die Hand leckten. Von stundan wagte es niemand mehr, dem Mädchen, das solch starken Schutz hatte, zu nahe zu treten. Die Klippen an der Plessenburg aber heißen bis auf den heutigen Tag die Wolfsklippen.



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